Die schönsten Fingernägel der Tischtennis-Liga

Mit der Begegnung TuS Uentrup gegen den LTTV leutzscher Füchse 1990 aus Leipzig wurde die Saison in der 2. Tischtennis-Bundesliga der Damen am vergangen Sonntag eröffnet. Am Samstag (Beginn 18 Uhr, Dreifachsporthalle Langweid) betritt Aufsteiger TTC Langweid gegen den TTC 1946 Weinheim das Parkett der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Und das mit einer völlig neu formierten Mannschaft. Anstatt Spielerinnen aus der Region steht nun eine internationale Auswahl an den Tischen. „Ich hoffe, dass vielleicht Neugier entsteht, dass man die junge, attraktive Truppe sehen will“, wünscht sich TTC-Vorsitzender Alfons Biller mehr Zuschauerzuspruch.
Angeführt wird die Mannschaft künftig von Nathaly Paredes. Die 18-jährige Südamerikanerin ist nicht nur in Langweid die Nummer eins, sondern auch in ihrer Heimat Ecuador. Die Jüngste im Team lebt und trainiert normalerweise in Rosenheim in der Tischtennis-Schule von Thomas Wetzel, kam diesmal aber direkt von einer längeren Südamerika-Tour mit mehreren Turnieren in Langweid an.

Italienische Vizemeisterin mit vietnamesischen Wurzeln

Aus Verona ist Le Thi Hong Loan eingeflogen. Die aktuelle italienische Vizemeisterin mit vietnamesischen Wurzeln spielte zuletzt für den italienischen Meister Castel Goffredo. Die 21-Jährige ist mit dem deutschen Bundesligaspieler Kilian Ort (TSV Bad Königshofen) liiert. Direkt aus Vilnius, der Hauptstadt Litauens, ist Vitalija Venckute, die in ihrem Heimatland Meisterin im Doppel und Mixed ist, via München eingeflogen. Die 24-Jährige hat mit Sicherheit schon mal die schönsten Fingernägel der Liga. „Das soll jetzt künftig immer so sein, dass sich die Mannschaft am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Spielen hier trifft und im Stützpunkttraining mitwirkt“, erklärt Alfons Biller. Der Vorsitzende des TTC Langweid hat die Mannschaft zusammengestellt. „Alle Kontakte liefen über E-Mail“, erzählt Biller, der die Neuen als „vorbildlich und professionell“ bezeichnet. „Voraussetzung, dass das alles geklappt hat, waren auch die günstigen Flugkosten.“

Die Doppel wurden bereits zusammengestellt

In Langweid haben sich die neuen Spielerinnen am Mittwoch das erste Mal gesehen. Bei einer Übernachtung und einem gemeinsamen Frühstück in einem Appartement in Achsheim konnte man sich beschnuppern. Managerin Barbara Jungbauer hat dafür den von den Spielerininnen erstellten Einkaufszettel abgearbeitet. Am gestrigen Donnerstag stand das erste Training auf dem Programm. Dort wurden auch die Doppel zusammengestellt. Wie das vor sich geht? „Am besten spielt eine Rechts- und eine Linkshänderin zusammen“, sagt Alfons Biller, in den Anfangsjahren der Langweider Erfolge selbst Trainer. „Oder nach Sympathien“, scherzt Cennet Durgun. „Hong und Vitalja hassen Meeresfrüchte, deshalb werden sie zusammenspielen. Nathaly und ich lieben Fisch und Schalentiere – wir bilden das zweite Doppel.“

Die neue Trainerin Cennet Durgun gehört zwar seit vielen Jahren dem TTC Langweid an, war aber die letzten zwölf Monate als Fitnesstrainerin auf einem Kreuzfahrtschiff auf hoher See unterwegs. Die 30-jährige Allround-Sportlerin – sie spielt neben Tischtennis auch Fußball in der Bayernliga – ist auch als Spielerin gemeldet.

Raue See wird dem TTC Langweid auch in der 2. Liga entgegen- schlagen. Von den QTTR-Werten liegt der Aufsteiger ganz am Ende der Skala. Alfons Biller stört das nicht: „Das liegt daran, dass Paredes, Hong Loan und Venckute ja nicht in Deutschland gespielt haben. Wir haben die jüngste Mannschaft. Alle sind ehrgeizig und wollen sich hier einen Namen machen.“ Trotzdem sie natürlich der Klassenerhalt das Maß aller Dinge. „Eine große Herausforderung. Nicht nur spielerisch, sondern auch mental“, freut sich Cennet Durgun auf die neue Saison: „Es wird auf jeden Fall heiß umkämpfte Spiele zwischen Neckarsulm, Offenburg, Leipzig und uns geben.“

Diese vier Mannschaft werden wohl den einzigen Absteiger in der Neuner-Liga unter sich ausmachen. Den gibt es, weil der letztjährige Meister Weinheim auf den Aufstieg verzichtet hat, weil er seine Heimspiele nicht zusammen mit seiner in der 3. Bundesliga spielenden Herrenmannschaft austragen durfte.

Mehr Eventcharakter soll mehr Zuschauer anlocken

Etwas mehr Eventcharakter will man auch in Langweid schaffen und mehrere Spiele zusammen packen. „Es ist schade, dass Tischtennisspieler wenig Tischtennis schauen“, sagt Alfons Biller. Wie das geht, aus einem Tischtennisspiel ein Event zu machen, haben in der abgelaufenen Saison die Damen des TuS Uentrup, die heuer als Topfavorit an den Start gehen, gezeigt. Sie haben im Spiel gegen Leipzig Leutscher Füchse mit 1854 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt. Zumindest optisch liefert die neue Mannschaft des TTC Langweid einen Anreiz, das schnellste Rückschlagspiel der Welt zu verfolgen. Am Montag zerstreuen sich die Spielerinnen wieder in alle Himmelsrichtungen. Erst in zwei Wochen treffen sie sich wieder zum Auswärtsspiel in Berlin.

Quelle: Augsburger Allgemeine. / 19.9.2019
https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Die-schoensten-Fingernaegel-der-Tischtennis-Liga-id55481746.html