Ein neues Gesicht an der Tischtennis-Platte in Langweid

Thi Hong Loan Le ist eines der neuen Gesichter beim TTC Langweid. Gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen will die Italienerin den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga schaffen. (Bild: Andreas Lode)

Exklusiv-Interview: Neuzugang Thi Hong Loan Le hat vietnamesische Wurzeln, kommt aus Italien und ist dort Vize-Meisterin. Beim TTC Langweid hat sie ein großes Ziel.

Als Thi Hong Loan Le 1997 in Italien geboren wurde, hat der damalige FC Langweid gerade seinen ersten von insgesamt acht deutschen Meistertiteln gefeiert und zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister geholt. Damit wurde die ein Jahrzehnt währende, großartige Erfolgsserie in der Tischtennis-Hochburg am Lech eingeläutet.

Als Spitzenspielerinnen wie Jie Schöpp, Csilla Batorfi, Yunli Schreiner, Marie Svensson, Mihaela Steff, Aya Umemura, Ding Yaping, Kristina Toth oder Olga Nemes in Deutschland und Europa triumphierten, war der Langweider Neuzugang allerdings noch ein kleines Mädchen. Die 22-Jährige gehört einer neuen Generation an, die zusammen mit Nathaly Paredes, 19, oder Vitalija Venckute, 24, den TTC Langweid in der 2. Bundesliga halten sollen. Vor dem Heimspiel am heutigen Samstag (Beginn 17.30 Uhr) gegen den MTV Tostedt stand Loan Le der Augsburger Allgemeinen in einem Exklusiv-Interview Rede und Antwort.

Hallo Loan, Sie sind jetzt seit ein paar Monaten in Langweid. Wie gefällt es Ihnen?

ist sehr nett zu uns. Als Aufsteiger spielt es uns in die Karten, befreit aufspielen zu können. Mit Cennet Durgun, unserer Trainerin, verstehe ich mich genauso wie mit meinen Teamkolleginnen ausgezeichnet.

Wo seid ihr Spielerinnen untergebracht, wenn ihr ein paar Tag in Langweid wohnt?

Le: Wir sind bei Familie Schnierle in Achsheim untergebracht. Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe, weil sie uns sehr herzlich aufgenommen haben, uns mit Rat und Tat zur Seite stehen und uns jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Haben Sie zuvor schon von Langweid und den vielen Erfolgen in der Vergangenheit gehört?

Le: Ich persönlich hatte aufgrund meines noch jungen Alters noch nichts von Langweid und den großen Erfolgen in der Vergangenheit gehört. Aber als ich den Verantwortlichen meines Heimatvereins in Italien vom Interesse des TTC Langweid berichtet habe, erzählten sie mir, dass der TTC ein absoluter Traditionsverein ist und schon viele großartige Spielerinnen für Langweid aufgeschlagen haben.

Sie sind Italienerin. Aber Ihr Namen Thi Hong Loan Le klingt nicht gerade typisch italienisch. Können Sie uns ein bisschen über Ihre Wurzeln aufklären?

Le: Meine Großeltern stammen aus Vietnam. Sie mussten während des Vietnamkrieges fliehen. Von der italienischen Marine wurden sie auf offener See gerettet und nach Italien gebracht. Ich bin in Italien geboren und aufgewachsen.

Wie viele Sprachen sprechen Sie?

Le: Italienisch ist meine Muttersprache. Ich kann auch Englisch und ein bisschen Vietnamesisch. Deutsch spreche ich momentan noch nicht. Ich kann ein bisschen etwas verstehen, aber nicht wirklich so viel.

Wo haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt?

Le: Ich lebe und trainiere zum Großteil in Castel Goffredo, 25 Autominuten südlich vom Gardasee gelegen.

Was waren Ihre bisher größten Erfolge?

Le: Mein größter Erfolg ist der zweite Platz im Damen-Einzel bei den italienischen Meisterschaften 2019.

Wann haben Sie mit dem Tischtennis begonnen?

Le: Im Alter von acht Jahren. Angefangen hat es in der Grundschule. Da waren wir eine Stunde in der Woche immer in der Halle, um Tischtennis zu spielen.

Auch in Ihrem Privatleben spielt Tischtennis eine Rolle. Ihr Partner Kilian Ort spielt in der Bundesliga für den TSV Bad Königshofen und in der deutschen Nationalmannschaft. Trainiert ihr auch manchmal zusammen?

Le: Ab und zu kommt das vor. Aber er lebt und trainiert zum Großteil in Düsseldorf mit der deutschen Nationalmannschaft.

Welche Sportart – außer Tischtennis natürlich – würden Sie gerne professionell betreiben?

Le: Ich finde Volleyball sehr spannend. Nur bin ich mit 1,58 Meter ein kleines Stückchen vom Gardemaß für diese Sportart entfernt (lacht).

Mit welcher Sportart können Sie gar nichts anfangen?

Le: Eigentlich mag ich alle Arten von Sport. Ich finde nur, dass Fußball eine zu große Medienpräsenz im Vergleich zu den anderen Sportarten hat.

Ihre Wurzeln liegen in Asien, Sie sind in Italien aufgewachsen und leben dort. Bevorzugen Sie die asiatische oder die italienische Küche?

Le: Ich mag beide. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die italienische Küche wählen.

Können Sie selbst kochen? Wenn ja, was kochen Sie, wenn Besuch kommt?

Le: Zu Hause kocht meistens meine Mutter. Aber wenn ich am Herd stehe, mache ich am liebsten typische italienische Pasta, wie Spaghetti carbonara.

Was wollen Sie mit dem TTC Langweid noch erreichen? Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Le: Im Vordergrund steht der Klassenerhalt mit der Mannschaft. Sollte dies bereits vorzeitig gelingen, können wir schauen, was noch möglich ist. Natürlich werden wir versuchen, das Optimale zu erreichen. Es gibt allerdings Teams, wie zum Beispiel Weinheim oder Weil, die einfach überragende Einzelspielerinnen haben, die es uns sehr schwer machen, noch höher in der Tabelle zu klettern. Ich versuche mich Schritt für Schritt zu verbessern, um meinem Team, so gut es geht, helfen zu können.

Quelle: Augsburger Allgemeine, 29.11.2019
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