Langweid bleibt in der zweiten Liga

Der TTC Langweid kann nach dem Saisonabbruch in der 2. Bundesliga bleiben. Wenn Körperkontakt noch erlaubt wäre, könnten sich Cennet Durgun, Vitaljia Venckute, Loan Lee und Nathaly Paredes (von links) noch gemeinsam freuen. „Tischtennis ist eine Corona-Sportart. Hier kann der Mindestabstand gewahrt werden.“ (Bild: Marcus Merk)

Zwar wurde die Saison wegen der Corona-Krise abrupt abgebrochen, doch die eigentlich abgestiegenen TTC-Frauen können trotzdem in der 2. Bundesliga verbleiben. Wie die SpVgg Westheim davon profitiert

Während in anderen Sportarten noch längst nicht feststeht, wie aufgrund der Corona-Epidemie die Saison zu Ende gespielt beziehungsweise gestartet (Tennis) wird, haben der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) sowie der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV) Fakten geschaffen: Danach wird der Stand zum Zeitpunkt der Aussetzung der Spielzeit – konkret der 13. März – als Abschlusstabelle gewertet. Die in diesen Abschlusstabellen auf den Auf- und Abstiegsplätzen befindlichen Mannschaften steigen entweder auf oder ab. Hinsichtlich der Relegation konnten die Landesverbände selbstständige Lösungen treffen. Im Bereich des BTTV wurde beschlossen, dass alle Relegationsplatzinhaber in der jeweiligen Liga verbleiben.

Der abrupte Abbruch der Saison und die damit verbundene Regelung hätte den TTC Langweid hart getroffen. Nach einer schwachen Rückrunde fanden sich die Frauen aus der Tischtennis-Hochburg aktuell am Tabellenende der 2. Bundesliga wieder. „Andere Mannschaften waren besser als in der Vorrunde und bei uns wurden nach dem guten Start mit den beiden Auswärtssiegen in Berlin und Leipzig Erwartungen geweckt, die dann nicht erfüllt wurden“, bilanziert Vorsitzender Alfons Biller. Doch der Abstieg blieb dem Aufsteiger erspart. „Wir bleiben trotzdem in der Liga, weil die anderen nicht wollten oder nicht konnten“, sagt Biller. Mit dem TV Busenbach und TuS Bad Driburg zogen sich zwei Traditionsvereine aus finanziellen Gründen aus der 1. Liga zurück, die NSU Neckarsulm hat nur für die 3. Liga gemeldet, der Aufsteiger aus der 3. Bundesliga Nord verzichtet, sodass der TTC Langweid in der 2. Bundesliga verbleiben konnte. „Trotzdem wird die Sollstärke von zehn Mannschaften in der 2. Bundesliga in diesem Jahr leider wieder nicht erreicht“, bedauert Cennet Durgun, die auch in der kommenden Saison wieder als Trainerin fungieren wird.

Während Meister TTC Weinheim wie letztes Jahr auf den Aufstieg verzichtet hat, weil der DTTB verbietet, dass Bundesligaspiele der Herren und Damen nicht gleichzeitig in einem Großevent stattfinden dürfen, hat sich der SV Weil für den Sprung in die 1. Liga entschieden. Für die Saison 20/21 stehen mit Bundesliga-Absteiger TTK Anröchte, Weinheim, TuS Uentrop, MTV Tostedt, DJK Offenburg, LTTV Leutzscher Füchse 1990, Füchse Berlin, TTC Langweid und Aufsteiger SV DJK Kolbermoor II die Teams schon fest. Die einzelnen Aufstellungen indes noch nicht, weil die offizielle Wechselfrist erst am 31. Mai endet.

Sehr erfreulich in all dem Chaos ist aus Langweider Sicht, dass alle Spielerinnen weiterhin weiter für den TTC spielen wollen. Sowohl die Italienerin Loan Lee, die seit der abgebrochenen Polen-Open bei ihrem Freund, dem deutschen Nationalspieler Kilian Orth lebt, weil sie nicht mehr in die „Redzone“ Italien zurück kann, als auch die Litauerin Vitalija Venckute, die in ihrer Heimatstadt Kaunas aufgrund der Ausgangssperre nur im Keller des Elternhauses etwas Tischtennis spielen kann. Ein Fragezeichen steht lediglich noch hinter Nathaly Paredes. Für die Ecuadorianerin hat sich indes wenig geändert. Sie lebt in einem Tischtennis-Zentrum in Bad Aibling und kann als einzige derzeit regelmäßig trainieren.

Auch bezüglich neuer Akteure steht man in der letzten Gesprächsphase. „In den kommenden Tagen werden wir entscheiden, welche der Optionen eine passende für den Verein, das Team und die 2. Liga ist“, sagt Durgun: „Sicher ist, dass wir uns ’aufrüsten’ wollen.

Vom Saisonabbruch profitiert haben hingegen die Herren der SpVgg Westheim, die als Tabellenführer der Verbandsliga Südwest mit 26:6 Punkten bei nur noch zwei ausstehenden, leichten Spielen in die Verbandsoberliga Bayern Süd aufsteigen. „Wir freuen uns natürlich darüber, da wir dadurch unser Saisonziel Wiederaufstieg erreicht haben“, bilanziert Abteilungsleiter Josef Merk. „Dies wäre andernfalls vielleicht nur über die Relegation zu erreichen gewesen.“ Die Freude ist allerdings etwas gedämpft, da man auch Verständnis hat für den Härtefall des Aufstiegskonkurrenten SpVgg Thalkirchen II, der bei 22:4 Punkten mit vier Siegen und einem Unentschieden aus fünf noch auszutragenden Spielen Meister geworden wäre. „Die Wertigkeiten sportlicher Erfolge haben sich in dieser krisengeschüttelten Zeit völlig verschoben“, sagt Merk. Er hatte sich zusammen mit seinen Vereinskameraden Norbert Schölhorn und Erich Goldau auf die deutschen Seniorenmeisterschaften in Dillingen und für sich auf die Senioren-Weltmeisterschaften in Bordeaux gefreut, die abgesagt beziehungsweise auf das kommende Jahr verschoben wurden. „Doch im Vergleich zu Anderen, die berufliche und finanzielle Auswirkungen ertragen müssen, ist diese sportliche Entbehrung zwar schade, aber geradezu harmlos“, so der ehemalige Bundesligaspieler des Post SV Augsburg. „Da ich von den virusbedingt notwendigen Einschränkungen überzeugt bin und die Gesundheit aller Priorität hat, fällt es mir nicht allzu schwer, den hoffentlich vorübergehenden Verzicht auf den Tischtennis-Wettkampfsport hinzunehmen.“

Sepp Merk geht davon aus, dass es ab Herbst wieder einen geregelten Spielbetrieb geben wird, gegebenenfalls unter bestimmten Auflagen. „Vorab wäre dafür die baldige Öffnung der Turnhallen zum Trainingsbetrieb unter Einhaltung gewisser Vorsorgerichtlinien wünschenswert, wobei man sich bei der SpVgg für das Kindertraining an den schulischen Vorgaben für Sportunterricht orientieren werde“, so der 75-Jährige. „Auch wenn viele derzeit Tischtennis als Hobby für zuhause entdecken, für die Mannschafts- und Turniersportler ist eine zu lange Pause nicht motivationsfördernd.“ Auch Alfons Biller sieht das so: „Tischtennis und Tennis sind ja Corona-Sportarten. Zumindest im Einzel kann der Mindestabstand gewahrt bleiben.“ Auch zuschauertechnisch wäre es wohl nicht schwierig, diesen umzusetzen, schließlich ist auf der Tribüne der Langweider Dreifachturnhalle Platz genug.

Quelle: Augsburger Allgemeine (Oliver Reiser), 18.04.2020 (https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/sport/Langweid-bleibt-in-der-zweiten-Liga-id57247451.html)