Vor 25 Jahren kam der erste Pokal nach Langweid

Rückblende Für die Tischtennis-Frauen aus der Lechtalgemeinde war der Mai viele Jahre lang ein Wonnemonat. Um die Jahrtausendwende herum wurden regelmäßig um Pfingsten herum Titel gefeiert

Der ETTU-Pokal war 1995 die erste Trophäe, die von den Tischtennis-Damen nach Langweid geholt wurde. Es freuten sich Christina Fischer, Sylvia Pranjkovic, Trainer Uli Schimmel, Csilla Batorfi, Jie Shie (hinten von links) sowie FCL-Vorsitzender Heinz Koutecky und Manager Willy Schweinberger (vorne). Repro: TTC Langweid

Der  Mai  war  für  die Tischtennisspielerinnen aus  Langweid viele Jahre lang ein absoluter Wonnemonat. In diese Zeit um Pfingsten herum fielen stets die Entscheidungen um den deutschen Meistertitel oder im Europapokal. Oft füllten über 1000 Zuschauer die  Dreifachsporthalle. Im Mai des Jahres 1995, also vor 25 Jahren, konnten die Frauen aus der Lechtalgemeinde, damals  als  FC Langweid firmierend, mit dem Gewinn des ETTU-Europapokals ihren bis dato größten Erfolg feiern. Im Endspiel siegten die Langweiderinnen bei  Bayer 05 Uerdingen deutlich mit 4:0. Erstmals schafften die Damen 1988 den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Der Mannschaft mit Eigengewächsen wie Hedwig Biller, Petra Thoma, Karin Klaiber, Gudrun Frühbeisser, Ute Michl wurde das Abenteuer Bundesliga gegönnt, wohl wissend, dass es wahrscheinlich nicht reichen würde. Durch den Rückzug eines anderen Teams blieb Langweid aber in Liga eins.Trotz der Verpflichtung der jungen Chinesin  Jie  Shi,  die  heute  als  Jie Schöpp Bundestrainerin der Damen ist, konnte der Abstieg nicht verhindert werden. Die  Zugehörigkeit zum  deutschen Oberhaus hatte aber Wünsche zur Rückkehr geweckt. Über Alfons Biller kam Willi Schweinberger ins Spiel, der sich als Manager höhere Ziele für den Langweider Tischtennissport setzte. 1992 konnte die Ungarin Csilla Batorfi verpflichtet werden, die als Spielerin und Trainerin maßgeblich an den großen Langweider Erfolgen beteiligt war, nach der man in Langweid sogar einen Weg benannte. 1992/93 kehrte das Team in die 1.Bundesliga zurück, 1995 gelang mit dem Gewinn des ETTU-Cups der erste internationale Erfolg. In den nächsten zwölf Jahren reihte sich ein Titel an den anderen. 1996 die erste von insgesamt acht deutschen Meisterschaften, 1996  und  1999  zwei weitere ETTU-Pokalsiege und 1997,  2004  und  2005  jeweils  der Triumph im Europapokal der Landesmeister. 2002 kam es zur Abspal-tung der Tischtennisabteilung vom FC Langweid und zum eigenständigen Verein „Müllermilch Langweid“. Durch  dieses  Sponsoring konnten sich  in  der  Langweider Sporthalle Weltklassespielerinnen wie Marie Svensson, Yunli Schreiner, Mihaela Steff, Ding Yaping, Aya Umemura, Olga Nemes oder Krisztina Toth die Klinke in die Hand geben. Nach dem Ausstieg von  Müllermilch nach  der  Saison 2006/07 als Haupt- und Namenssponsor bekam der Verein  seinen heutigen Namen: TTC Langweid. Seit diesen Tagen, verbunden mit dem Rückzug aus der 1. Bundesliga, pendelt die 1. Damenmannschaft zwischen der 2. und 3. Bundesliga hin und her. Zuletzt wurde nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga der Klassenerhalt nur geschafft, weil die Saison aufgrund der Corona-Krise vorzeitig beendet wurde und sich einige Teams zurückzogen. Geburtshelfer der Sportart Tischtennis war Gert Jungbauer, der ab 1965 zwölf Jahre lang Fußball-Jugendleiter war und seine Aufgabe auch  in  der  Ausweitung des  FC Langweid sah.  1965  zunächst mit der Leichtathletik. Mit der Fertigstellung der Mehrzweckhalle eröffneten  sich  weitere  Möglichkeiten wie Turnen und Gymnastik, Tischtennis, Volleyball oder Judo. Jungbauer hat sich während der Corona-Krise Gedanken gemacht: „Die Sportarten, die bisher Randsportarten waren, werden es bleiben. Das Fernsehen bestimmt den Wert der Sportarten für Sponsoren und die Förderung des Leistungssports durch die große Politik mit Blick  auf  Außenwirkung weltweit durch Medaillengewinne bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften.“ Die Krise habe jedoch auch zur Erkenntnis geführt, dass zwar viele Fußballfans die  Bundesligaspiele vermissen, für einen Großteil der Bürgerinnen und Bürger von Jung bis Alt aber in erster Linie die sportlichen Aktivitäten und die Geselligkeit im Verein gefehlt haben. „Bedurfte es erst der Krise, die Bedeutung unserer Vereine wieder mehr zu schätzen?“, fragt sich Jungbauer und fordert daher: „Das sollte uns antreiben, unsere Vereine zu erhalten!“

Quelle: Augsburger Allgemeine (Oliver Reiser), 03.06.2020 (https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Wie-die-Tischtennis-Frauen-vor-25-Jahren-den-ersten-Pokal-nach-Langweid-holten-id57483556.html)