Der Regenbogen ist in Langweid kein politisches Thema

Vielfalt, Akzeptanz und ein gutes Einvernehmen seit Jahrzehnten

In der Gemeinde Langweid und beim TTC Langweid werden Vielfalt und Akzeptanz seit Jahrzehnten gelebt. Anfang der Sechzigerjahre wurde die vor dem Krieg in Chemnitz bestehende Zwirnerei Michalke in Langweid sesshaft und nahm eine imponierende Entwicklung, die zu einem großen Bedarf an Arbeitern führte mit 2000 Arbeitern und Angestellten in den besten Jahren. Der Bedarf konnte nicht allein durch Bürger der Region gedeckt werden, sondern nur durch viele ausländische Arbeitssuchende zunächst weitestgehend aus Griechenland und später zunehmend aus der Türkei. Die „politische Wende“ und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien führten zu weiteren ausländischen Mitbürgern zuweilen leicht abweichend i.H von 16% der Gesamtbürger durchwegs aus ca. 55 Nationalitäten. Der Gemeinderat gibt seit Jahrzehnten über Parteigrenzen hinweg ein Beispiel für ein gutes Miteinander. Im 1. Damenteam des TTC Langweid haben in den großen Erfolgsjahren stets viele ausländische Spitzenspielerinnen zu Erfolgen auf deutscher und europäischer Ebene entscheidend beigetragen und Langweid bekannt gemacht. Sie haben sich alle mit Langweid identifiziert und die Bürger Langweids mit ihnen.

Was ist mit dem Regenbogen, warum eine Regenbogen-Diskussion?

Nichtrechtsstaatliche Gesetze einiger europäischer Länder haben anlässlich der Fußball-Europameisterschaften zu „Regenbogen-Diskussionen“ geführt. Was hat dies mit dem Regenbogen zu tun? Die Regenbogenfahne ist eine Form des Regenbogens mit seinen Farben als Symbol. Sie steht in zahlreichen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Sie gilt als Zeichen für Gleichberechtigung, Toleranz und Akzeptanz, der Vielfalt von Lebensformen und der Hoffnung. Der Regenbogen bietet zwar auch uns in Langweid immer wieder ein tolles Bild doch bedarf die Situation bei uns keiner Regenbogendiskussion dieser Tage. Heftige Kritik musste die UEFA für ihr Verbot der Regenbogenfarben in den Stadien bei deren Beleuchtung oder für das Anbringen von Bannern in Regenbogenfarben etc. einstecken. Der Europäische Fußball-Verband begründete seine Entscheidung damit, dass es sich bei der UEFA um einen unpolitischen Verband handle. Gerade der Sport sollte bei internationalen Begegnungen die Gelegenheit nutzen, für Werte und rechtsstaatliche Grundsätze zu stehen, die die EU von ihren Mitgliedsstaaten einfordert und die diese beim Eintritt in die EU übernommen/zugestanden haben, begegnen Kritiker dem Verband. Der Sport mit seiner Anziehungskraft und die Begegnungen der Menschen schaffen mehr als so manche Gespräche auf höherer politischer Ebene. Der Europäische Fußball-Verband vergisst bei seiner Stellung auch, dass die ausgegebenen Ziele der 1896 eingeführten Olympischen Spiele der Neuzeit: keineswegs unpolitisch waren. Sie sollten zur Völkerverständigung beitragen. Wertschätzung von Menschen über Grenzen hinweg ist geeignet zum Fundament für bessere politische Beziehungen. Die deutsch-französischen Beziehungen haben sich auch durch viele Begegnungen von Jugendgruppen beider Länder enorm verbessert, was Charles De Gaulle und Konrad Adenauer mit der Einführung des deutsch-französische Jugendwerks und der finanziellen Unterstützung von Jugendgruppenbegegnungen zum Ziel hatten. Der Fußballverband wurde vom Verhalten von Sportlern von Nationalteams beschämt, die bei der Europameisterschaft kniend gegen nichtrechtsstaatliche Beschlüsse von Regierungen protestierten. Trotz oft verbissenen Kämpfen war ein freundschaftliches Verhalten der Spieler miteinander zu sehen, u.a. auch weil viele zwar in den in den Nationalteams gegeneinander in Vereinsteams miteinander spielen.

Gert Jungbauer