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Eine Familie über Grenzen hinweg

Tischtennis: Die Südkoreanerin Ahn Hae Sook hat vor drei Jahrzehnten in Langweid gespielt. Nun hat die ehemalige Weltranglisten-Siebte ihre alte Wahlheimat besucht und dort mit Kindern trainiert.

In Langweid haben schon viele ausländische Spielerinnen gespielt und zu großen Erfolgen beigetragen. Obwohl sie schon vor einigen Jahren wieder in ihre Hei-mat zurückgekehrt sind, bestehen immer noch gute Verbindungen. Kürzlich hatte der TTC Langweid einen Kurzbesuch aus Südkorea durch Ahn Hae Sook und ihrem Ehemann Myung Yong Kim. Das Ehepaar und ihre zwei kleinen Kin-der lebten von 1993 bis 1998 in Langweid.

Dabei ging es ursprünglich gar nicht um Tischtennis. Myong Yong Kim kam zum Jurastudium nach Deutschland. Er wollte aber natür-lich seine Familie bei sich haben. Da seine Frau Ahn Hae Sook vor der Geburt der Kinder zur absolu-ten Tischtennis-Weltklasse gehört hatte (Top 7 der Weltrangliste), war Langweid mit dem Tischten-nis-Erfolgsclub eine Möglichkeit zur Familienzusammenführung. Die Saisonplanung des Vereins war da aber schon abgeschlossen, das Team komplett. Für die Abwehr-strategin Ahn Hae Sook, die nach Aussage von Fachkundigen trotz ihrer langen Spielpause damals immer noch die Spielstärke von Jie Schöpp hatte, blieb nur noch Platz eins in der zweiten Mannschaft des Vereins, die damals in der 2. Bun-desliga spielte. Entscheidend für den sportlichen Werdegang einiger Langweider Nachwuchsspielerin-nen wurde aber das Engagement und das Können von Ahn Hae Sook als Jugendtrainerin. Die sympathi-sche Koreanerin war bei allen im Verein, besonders bei den Kindern und Jugendlichen, sehr beliebt. Schon der angekündigte Besuch löste deshalb allseits große Freude aus. Der erste Weg führte die beiden Gäste aus Südkorea in die Sport-halle. Nach der herzlichen Begrü-ßung zwischen Ahn Hae Sook und ihrem damaligen Schützling Bar-bara Jungbauer, die gerade Kinder trainiert hat, griff die jung Geblie-bene zur Freude der Kinder zum Schläger. Mit dabei unter anderem die sechsjährige Tochter von Simo-ne Neuner (geborene Kranzfelder), die als Jugendliche Schützling der Südkoreanerin war. „Jetzt weiß ich, warum meine Mama so gut spielt“, war das fachkundige Urteil des Ta-lents. Erstaunt war auch Andre Thiebau, der ja zur bayerische Ju-gendelite gehört und nun zum TSV Rain gewechselt ist, über die noch vorhandene Spielstärke der inzwi-schen 61-Jährigen.
Von der Halle führte der Weg der koreanischen Gäste in den Gar-ten der Familie Jungbauer, wo sich beim Grillen in gemütlicher Runde auch die damaligen Nachwuchs-spielerinnen Simone Neuner, Bar-bara Seiler und Barbara Jungbauer sowie der damalige Jugendleiter Franz Kaps einfanden. Mit dabei auch Langweids Tischtennis-Denkmal Csilla Batorfi, die Ahn Hae Sook ja aus sportlichen Begeg-nungen vor der Langweider Zeit kannte.

Mit zwei kleinen Kindern auf 40 Quadratmeter gelebt

Jeder wusste, dass es die koreanische Familie damals finanziell schwer hatte, über die Runden zu kommen. Umso größer war und ist im Nachhinein die Bewunderung, wie die Situation gemeistert wur-de. Wie Myung Yong Kim unter be-engten, für ungestörtes Lernen un-günstigen Wohnverhältnissen (cir-ca 40 Quadratmeter mit zwei klei-nen Kindern) in fünf Jahren das Ju-rastudium mit der Doktorarbeit abschließen konnte. Zumal ohne vorherige Kenntnisse der deut-schen Sprache. Die Mühe hat sich gelohnt: Er hat nun einen Lehr-stuhl für Kommunalrecht und Umwelt an einer südkoreanischen Universität. Auch die zwei Söhne, die in Langweid den Kindergarten besuchten und eingeschult wur-den, haben später in Deutschland studiert. Das Treffen nahm einen sehr herzlichen Verlauf mit einem wehmütigen Abschied gegen Mit-ternacht. Jeder stellte sich die Fra-ge: Wird man sich den nochmals treffen können? (jug)